07.09.2019 11:27 Uhr - 2. Bundesliga - Ralf Ohm, PM Vereine, red

Neuling Freiburg kein Aufbaugegner für die SG 09 Kirchhof

Diana SabljakDiana Sabljak
Quelle: SG 09 Kirchhof
Vorhang auf zur dritten Zweitliga-Saison der SG 09 Kirchhof nach dem Aufstieg der heimischen Handballerinnen 2017. Mit neuformierter Mannschaft. Und mit Verletzungsproblemen. Da kommt als Auftaktgegner Aufsteiger HSG Freiburg (Sa. 18 Uhr, Stadtsporthalle Melsungen) gerade recht. Oder? SG-Trainer Denk warnt: "Wir dürfen den Neuling auf keinem Fall unterschätzen. Es handelt sich um eine spielstarke und eingespielte Mannschaft, die uns durchaus gefährlich werden kann."

Der erfolgreichsten Saison der Vereinsgeschichte, die mit der Meisterschaft in der 3. Liga endete, folgte die längste Vorbereitung. Nicht ohne guten Grund scharte Wiggenhauser seine Spatzen bereits Mitte Mai wieder um sich, denn die bevorstehenden Herausforderungen sind riesig. Lässt man einmal die finanziellen Voraussetzungen außen vor - in dieser Hinsicht sind die Red Sparrows vermutlich der größte Außenseiter der Zweitliga-Geschichte -, weht auch sportlich im Unterhaus noch einmal ein ganz anderer Wind. Vor allem körperlich und hinsichtlich des Spieltempos werden die Anforderungen deutlich steigen, weshalb in der Vorbereitung enorm viel im physischen Bereich gearbeitet wurde. Umfang und Intensität des Trainings wurden im Vergleich zur Vorsaison nach oben gefahren; neben den vier bis fünf Halleneinheiten pro Woche traf man die Mädels auch regelmäßig in den Räumlichkeiten von Aktiv Reha beim Krafttraining an.

Mit einem Durchschnittsalter von gut 23 Jahren - einem der jüngsten Kader der Liga - und ohne jegliche Bundesliga-Erfahrung - weder Spielerinnen noch Trainer waren jemals so hochklassig unterwegs -, wollen sich die Red Sparrows unter den besten 30 Mannschaften Deutschlands behaupten. Um die Klasse zu halten, muss man drei Mannschaften hinter sich lassen. Ein schwieriges Unterfangen, aber nicht unmöglich, wie man bei den Freiburgerinnen unisono zu hören bekommt. Der Respekt und die Anspannung sind groß, aber die Vorfreude und Lust auf die neue Liga sind noch größer: Alle sind heiß, dass es endlich losgeht. Und die Spatzen werden laut HSG-Vorsitzenden Raynald Thommen "unbekümmert und euphorisiert" aufspielen. Was sein Coach Ralf Wiggenhauser bestätigt: "Wir freuen uns nach der langen Vorbereitung wahnsinnig auf dieses Spiel."

Bangen um Zuzic und Sabljak




Zumal er in Bestbesetzung anreisen kann. Also auch mit seiner Aufstiegsgarantin Nadine Czok (120 Saisontore). Ein robuster Handballtyp, "der einen wunderschönen Handball spielt" (Wiggenhauser). Eine wurf- und zweikampfstarke Torjägerin, die aber auch den letzten Pass exzellent drauf hat.

"Freiburgs Schlüsselspielerin", weiß Christian Denk. Ein Fall für Neuzugang Jana Schaffrick in Kirchhofs 6:0-Deckung, die möglicherweise improvisieren muss. Denn: Nela Zuzic (Außenbandanriss im Knöchel) und Diana Sabljak (Innenbanddehnung im Knie) sind angeschlagen. Für die neue Torfrau stünden die im Pokal gegen Beyeröhde starke Frederikke Siggaard und Paula Küllmer bereit, für die Rückraumspielerin Alena Breiding. Die hat in der Vorbereitung "einen großen Schritt nach vorn gemacht" (Sabljak).

Trotzdem will die Kapitänin beim Ligastart unbedingt dabei sein. Weil ihre Eltern aus Kroatien anreisen, um sie spielen zu sehen. Und weil die Torschützenkönigin der letzten beiden Saisons von der SG 2019/2020 überzeugt ist: "Wir sind auf keinem Fall schlechter als vor einem Jahr und haben noch viel Potenzial nach oben."

Was die "Neuen" bereits andeuteten. Selbst auf ungewohnter Position. Rechtshänderin Greta Kavaliauskaite etwa findet sich im rechten Rückraum immer besser zurecht, so dass Anouk van de Wiel in Ruhe genesen kann. Und im Mittelblock der SG avancierte die 25-jährige Litauerin bereits zur "heimlichen Abwehrchefin" (Trainer Denk).

Spinner: "Wir wissen, worauf es ankommt"




Nun folgt die Probe aufs Exempel. Gegen einen Gegner, der auf den schnellen Ballbesitz aus ist, der schnell umschaltet und schnell abschließt. Der eine lange und erfolgreiche Vorbereitung hinter sich hat. Der "heiß" auf die 2. Liga ist. Und damit sicherlich nicht als Aufbaugegner für den vermeintlichen Favoriten durchgeht.

Die Red Sparrows nehmen dementsprechend die Außenseiterrolle an, sehen aber auch eine Chance. "Wir haben uns gut auf den Gegner eingestellt und wissen, worauf es ankommen wird. Wenn unsere Abwehr steht und alles passt, können wir vielleicht etwas Zählbares mitnehmen", hofft Neu-Kapitänin Carolin Spinner. Und Trainer Ralf Wiggenhauser ergänzt: "Wenn bei Auswärtsspielen die Tür aufgeht, wollen wir natürlich auch durchgehen. Grundsätzlich ist es aber schon so, dass wir unsere Punkte zuhause holen müssen. Von daher erwarte ich einfach, dass wir in jedem Spiel alles raushauen und dann sehen wir, wofür das reicht".

Für den langjährigen Übungsleiter ist das Ziel ganz klar der Klassenerhalt. Aber die Resultate sind nicht alles, was für ihn zählt: "Ich hoffe natürlich und gehe auch fest davon aus, dass jeder - sowohl die Spielerinnen als auch alle im Trainerteam - in diesem Jahr viel dazulernen und sich weiterentwickeln, denn in der 2. Liga wird jeder nochmal vor ganz andere Aufgaben gestellt".