10.08.2020 12:57 Uhr - 2. Bundesliga - dpa

HVSH-Präsident Dierk Petersen: "Wir machen das nicht mehr mit"

Dierk PetersenDierk Petersen
Quelle: HVSH
Nicht nur die Amateurfußballer klagen über die strenge Corona-Schutzverordnung im Land, auch die Handballer fordern schnellste Kurskorrekturen. "Es nervt ohne Ende. Schleswig-Holstein ist abgehängt, mit dieser Situation können wir nicht leben", sagte Dierk Petersen, Präsident des Handballverbandes Schleswig-Holstein (HVSH), den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (SHZ/Montag).

Es rumort in den Sportvereinen von Schleswig-Holstein und Hamburg. Während in allen anderen Bundesländern in Mannschaftssportarten mit dem kompletten Kader trainiert werden darf, sind in Hamburg und Schleswig-Holstein nur Zehnergruppen erlaubt. Gar ganz untersagt sind Testspiele in beiden Ländern. Die strengen Schutzverordnungen gegen das Coronavirus gelten zunächst bis Ende August.

Für Profivereine wie für den Hamburger SV und den FC St. Pauli sowie für die wenigen Amateurteams, die noch in den Fußballpokal-Wettbewerben der beiden Länder aktiv sind, gibt es Ausnahmegenehmigungen. Die übergroße Mehrheit bis hinein in den Nachwuchsbereich muss hingegen zusehen, wie sie in Form kommt. Davon unbeeindruckt sollen im September die neuen Spielzeiten starten.

"Es nervt ohne Ende. Schleswig-Holstein ist abgehängt, mit dieser Situation können wir nicht leben", sagte Dierk Petersen, Präsident des Handballverbandes Schleswig-Holstein (HVSH), den Zeitungen des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlages (SHZ/Montag). Und betonte: "Wir müssen die Verantwortlichen wachrütteln. Es ist vorbei mit der Geduld, wir machen das nicht mehr mit."



Petersen besuchte am Wochenende den Frauen-Zweitligisten TSV Nord Harrislee. Als einziges Team der Liga darf der TSV nicht mit dem kompletten Kader trainieren, sondern nur in Zehnergruppen. Zudem sind Testspiele im Land untersagt. "Ich kann es nicht verantworten, die Mädchen ohne Testspiele in die Saison zu schicken", betonte Harrislees Trainer Olaf Rogge. Präsident Petersen fragte: "Der THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt dürfen mit Sondergenehmigung vollzählig trainieren - warum der TSV Nord nicht?" Petersen empfiehlt dem Verein, auch eine Sondergenehmigung zu beantragen.

Der Hamburger Fußball-Verband (HFV) stimmt ein in das Klagelied. "Irgendwann ist es nicht mehr einzusehen und nicht mehr vermittelbar. Bei uns in Hamburg gibt es keine Signale, dass sich etwas ändern könnte", sagte HFV-Geschäftsführer Karsten Marschner der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Hamburgs Sportstaatsrat Christoph Holstein hat zwar schon Post von den Verbänden erhalten. Reaktionen gab es aber noch nicht.

Beim Vergleich mit anderen gesellschaftlichen Bereichen wird der Unmut noch größer. "Und wenn ich mir ansehe, was im Schulsport möglich ist - da ist Mannschaftssport ausdrücklich erlaubt und nicht alle haben einen großen Fußballplatz zur Verfügung. Reden denn die Ministerien nicht miteinander?", fragte Uwe Döring, Präsident des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), in den SHZ-Zeitungen. "Es ist fünf Monate her, dass die Einschränkungen in Kraft getreten sind. Die Schulen öffnen, die Innenstädte und die Strände sind voll. Warum soll es mit einem guten Hygienekonzept nicht möglich sein, elf gegen elf Fußball zu spielen?", will Döring wissen.



Vom Testspiel-Tourismus, zu dem Teams gezwungen werden, wenn sie sich vernünftig vorbereiten wollen, hält Ralf Martini, Vizepräsident Spieltechnik im Hamburger Handball-Verband (HHV), gar nichts. "Es macht doch keinen Sinn, wenn jetzt die Teams nach Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern oder Dänemark fahren, um spielen zu können." Nachwuchsteams beispielsweise aus der Jugend-Bundesliga geraten im Vergleich zur Konkurrenz aus anderen Bundesländern hoffnungslos ins Hintertreffen. Von Chancengleichheit ist schon lange keine Rede mehr.

Holger Böhm, 1. Vorsitzender des SV Todesfelde, führt ein weiteres Argument an: "Die Kriminalitätsrate bei Jugendlichen ist nach oben gegangen." Der Sport wird unwichtiger, weil unattraktiver. Spiele gegen Konkurrenten fehlen seit Monaten, das Teamtraining ist zur Kleingruppengymnastik verkommen.

Vertreter des Handballverbandes sitzen am Mittwoch gemeinsam mit dem Fußball- und dem Volleyball-Verband im Ministerium mit Innenstaatssekretärin Kristina Herbst zusammen. Die drei Verbände vertreten 200 000 Sportlerinnen und Sportler im Land. "Wir müssen die Verantwortlichen wachrütteln. Es ist vorbei mit der Geduld, wir machen das nicht mehr mit", betonte Petersen.

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