31.03.2010 00:37 Uhr - Europameisterschaft - Christian Stein

Tausendsassa Müller - Rückkehr ins DHB-Trikot

Anne Müller kehrt gegen Weißrussland ins DHB-Trikot zurückAnne Müller kehrt gegen Weißrussland ins DHB-Trikot zurück
Quelle: Michael Heuberger
In Wattenscheid geboren, in Hamm aufgewachsen und in Leverkusen zur Spitzenhandballerin gereift. Eine Spielerin, wie es Anne Müller ist, weckt Begehrlichkeiten – sowohl beim Deutschen Meister HC Leipzig, wo die Kreisläuferin ab der kommenden Saison spielen wird, wie auch bei Bundestrainer Rainer Osmann, der Müller nach der Knieverletzung von Anja Althaus bereits frühzeitig um eine Ende der Nationalmannschaftspause gebeten hat. In der EM-Qualifikation gegen Weißrussland zieht die Kreisläuferin erneut das DHB-Trikot über - für die Länderspiele 109 und 110.

Sara Holmgren räumt in Leipzig den Platz für Anne MüllerSara Holmgren räumt in Leipzig den Platz für Anne Müller
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Zehn Jahre schnürt Müller nun schon ihre Sportschuhe für den TSV Bayer 04 Leverkusen, kam im Jahr 2000 als 16-Jährige gemeinsam mit Clara Woltering ins Rheinland und gilt wohl als eine der vielseitigsten deutschen Handballerinnen. Die Auswahlspielerin auf ihre Stammposition am Kreis zu beschränken wird ihr nicht gerecht, denn Müller kann eigentlich alle Positionen auf Erstliganiveau spielen.

Ob mal im Rückraum oder auch auf Außen, wo immer mal aufgrund von Verletzungen oder Formschwächen eine starke „Aushilfskraft“ gebraucht wird – Renate Wolf weiß, dass sie Anne Müller bedenkenlos einsetzen kann. Auch ihr zukünftiger Trainer Heine Jensen schätzt Müllers Vielseitigkeit. „Sie ist universell einsetzbar und man kann ihr mehrere Aufgaben geben. Anne ist eine Topspielerin, die in beiden Richtungen – vorne, wie hinten – gute Leistungen abrufen kann“, so der HCL-Trainer. Nur die Feuertaufe als Torhüterin fehlt der abwehrstarken und bei den zum Saisonbeginn durchgeführten Fitnesstests immer ganz weit vorne liegenden Athletin, noch.

Müller ist die Modellspielerin, wenn es um die komplette Handballerin geht. Auch ein Erfolg der Arbeit unter Trainerin Renate Wolf, die sich gemeinsam mit der damaligen Co-Trainerin Sybille Gruner das Ziel gesetzt hatte aus ihr einen „weiblichen Max Wislander“ zu machen. Der Schwede, viele Jahre Allzweckwaffe des THW Kiel, gilt immerhin als Jahrhunderthandballer. „Anne Müller ist die beste Kreisläuferin, die man in Deutschland haben kann“ erklärt HCL-Manager Kay-Sven Hähner und ergänzt: „Sie ist eine tolle Kämpfernatur und wird auch menschlich zu uns passen. Was Sie in Sachen Körpergröße vielleicht an Nachteilen hat, das macht sie mit Einsatz und Kampfkraft mehr als wett.“

Schaut man jedoch in den Leverkusener Kader, so fällt auf, dass es wenige reine Spezialistinnen auf dem Feld gibt. Auch Lyn Byl oder Anna Loerper entwickelten sich im Rheinland zu vielseitigen Spielerinnen, die aufgrund ihrer Variabilität auch bei den Verantwortlichen anderer Vereine ein hohes Ansehen genießen. „Lyn kann alles“, räumte Zwickaus Trainer Steffen Wohlrab, der die mittlerweile für Großbritannien auflaufende Kreisläuferin in der DHB-Juniorinnennationalmannschaft trainierte, Anfang des Jahres beim Pokalspiel der Elfen in Sachsen ein. Loerper gehört seit 2005 zum festen Stamm der Nationalmannschaft, obwohl die Spielmacherin aufgrund ihrer geringen Größe damals durch das Auswahlraster gefallen war und keine Jugend- oder Juniorinnenländerspiele bestritt.

Der Abschied aus Leverkusen fällt der sympathischen Müller schwer - der Verein, die Stadt, das Umfeld sind ihr ans Herz gewachsen, aber Müller steht nun im Leben vor einem Umbruch. Das Informatikstudium steht vor dem Abschluss, der Sprung ins Berufsleben steht bevor. „Saxony Valley“ - das Zentrum der deutschen IT-Industrie ruft und mit dem HC Leipzig kann die Nationalspielerin zu einem Spitzenverein wechseln, der in dieser Saison erstmals den Sprung unter die besten acht Mannschaften Europas schaffte. Zweifel, dass Müller nicht bis zum letzten Tag alles für die Elfen geben würde, gibt es nicht. Auch im Pokalspiel in der Arena Leipzig zählte die Nationalspielerin zu den Stützpfeilern der Leverkusener Deckung, die den Grundstein zum Einzug in die Pokalendrunde legte. „Anne ist eine sehr loyale Spielerin, die ihre Aufgaben immer im Sinne ihrer Mannschaft erfüllt“, so Renate Wolf.


Willemijn Karsten muss sich den Angriffen Anne Müllers erwehren.


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