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17.01.2018 09:29 Uhr - Europameisterschaft - dpa, cie

"Sprengt alle Grenzen" - Heute Entscheidung über slowenischen Widerspruch und angedrohten Rückzug

Bislang hat das 25:25 BestandBislang hat das 25:25 Bestand
Quelle: Michael Heuberger
Nach dem abgewiesenen Protest gegen die Wertung des Spiels gegen Deutschland (25:25) hat der slowenische Handballverband Widerspruch eingelegt, der am heutigen Mittwoch noch vor dem Anwurf des deutschen Spiels verhandelt wird. Slowenien will zudem am Nachmittag erklären, ob der angedrohte Rückzug von der Europameisterschaft in die Tat umgesetzt wird. "Was hier passiert ist, sprengt alle Grenzen", hatte der Sekretär des slowenischen Handballverbandes, Goran Cvijic, gesagt.

"Wir nehmen dies zur Kenntnis und beraten das weitere Vorgehen", kommentierte DHB-Vizepräsident Bob Hanning. "Die Slowenen wollen das Ergebnis mit 25:24 für sich gewertet wissen", erklärte der 49-Jährige. Die Slowenen schöpften damit ihre rechtliche Möglichkeit eines Einspruchs gegen das von der EHF am Dienstagvormittag getroffene Urteil aus.

Die Führung des DHB beriet sich am gestrigen Abend mit Anwälten über den nochmaligen Einspruch und konnte bis 24.00 Uhr eine Stellungnahme an die European Handball Federation (EHF) abgeben. Auf den Widerspruch der Slowenen reagieren muss der DHB laut Hanning aber nicht. Eine EHF-Kommission wird am Mittwoch eine endgültige Entscheidung in der Sache treffen - zumindest für den Handball. In einer Pressemeldung kündigte der slowenische Verband an, auch über einen Gang zum internationalen Sportgerichtshof Court of Arbitration of Sports (CAS) nachzudenken.

"Sie sagen, dass sie ohnehin von den Schiedsrichtern klar benachteiligt worden seien", schilderte Bob Hanning die Gemütslage beim Gegner, der bereits nach der Niederlage im Auftaktspiel gegen Mazedonien eine Beschwerde gegen die Schiedsrichter eingereicht hatte. Die DHB-Auswahl hatte am Montagabend beim Remis gegen den WM-Dritten nach dem Einsatz des Videobeweises wegen einer Regelwidrigkeit der Slowenen in letzter Sekunde einen Siebenmeter zugesprochen bekommen, den Tobias Reichmann zum Ausgleich verwandelte.

"Die Entscheidung der EHF überrascht uns nicht, da diese regelkonform war und ist", hatte Bob Hanning unterdessen die Entscheidung der ersten Instanz der EHF kommentiert. Es ging um die Bewertung der letzten Szene in der regulären Spielzeit, als nach dem 24:25 gleich drei Slowenen an der Mittellinie den Anwurf von Paul Drux blockierten und damit eine Schnelle Mitte und einen letzten Wurf auf das slowenische Tor verhinderten. Die Behinderung eines formalen Wurfs nach einer Spielunterbrechung, wie bei einem Anwurf, wird mit einem Strafwurf bestraft, der die verhinderte Chance auf ein letztes Tor wiederherstellen soll. Nach Meinung der EHF haben die Schiedsrichter in einer Tatsachenentscheidung auf die Verhinderung einer Torchance erkannt und daher die Regeln richtig angewandt.

"Dadurch, dass das Reglement den Schiedsrichtern die Möglichkeit eröffnet, strittige spielentscheidende Szenen nochmals im Video zu betrachten, ist der Zeitpunkt der Tatsachenentscheidung lediglich nach hinten verlagert worden. Die von den Schiedsrichtern am Monitor getroffene Entscheidung ist eine Tatsachenentscheidung und damit nach IHR und speziell 34.4 c Turnierreglement unanfechtbar und ein Einspruch gegen eine solche Entscheidung damit unzulässig", so Experte Helge-Olaf Käding von handballrecht.de zur Erweiterung des Begriffs der Tatsachenentscheidung auf den Videobeweis. Dies unterstrich die EHF am gestrigen Tag noch einmal in einer Aussendung an die Verbände.

Die Slowenen stützen ihren Widerspruch unterdessen darauf, dass das Foul erst nach dem Abpfiff stattgefunden hat und es sich nicht, wie von der EHF erklärt, um eine Tatsachenentscheidung der Schiedsrichter gehandelt habe, sondern um eine falsche Anwendung der Regeln. Ihr erster Protest war von der EHF abgewiesen worden. "Die Regularien sehen für eine Blaz Blagotinsek eine Zeitstrafe für die Behinderung der deutschen Auswahl in ihrem Angriff vor, dieser hätte in der Folge wiederholt werden sollen", so der slowenische Verband, der von einem klaren Verstoß gegen das Handball-Regelwerk sprach.

"Der Handball-Verband Slowenien überlegt zudem, aufgrund der klaren Verstöße und dem Schaden für das slowenische Team, seine Mannschaft vom Wettbewerb zurückzuziehen", so der Verband in einer an handball-world übermittelten Stellungnahme. Generalsekretär Goran Cvijic erklärte am Dienstag in Zagreb: "Der Verband denkt ernsthaft darüber nach, die EM zu verlassen. Auf der anderen Seite sind wir uns über die ganzen negativen Folgen auch für die kommende Generation bewusst." Eine mehrjährige Sperre durch die EHF für alle Wettbewerbe sowie eine Geldbuße wären als Mindeststrafe zu erwarten.

"Die Entscheidung wird Mittwoch Nachmittag fallen", wird Pressesprecher Anze Blazic auf siol.net zitiert, wo sich in einer Umfrage über 80 Prozent der Leser für einen Rückzug des Teams von der Europameisterschaft aussprachen. Laut dem zu den meistaufgerufenen Webseiten in Slowenien gehörendem Portal ist für 15 Uhr eine Präsidiumssitzung des slowenischen Verbands anberaumt, für 16 Uhr wurde eine Pressekonferenz angekündigt. Das Spiel der Slowenen gegen Montenegro startet um 20.30 Uhr - mit einem Sieg oder Unentschieden würde Slowenien das Ticket in die Hauptrunde lösen.

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